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Gegen die Götter Griechenlands

Gegen die Götter Griechenlands

Seekajakreise auf dem winterlichen Mittelmeer vor Zakinthos

Wir haben gerade die Letzte Fähre nach Zakinthos bekommen, danach wird der Fährbetrieb "wegen schwerer See" bis auf Weiteres eingestellt. Zwar kränkt und stampft das Schiff gewaltig durch das Ionische Meer zwischen Patras und dem Hafen der kleine griechischen Insel Zakinthos, doch viel mehr sorgen wir uns um die nächsten Tage. Denn ab morgen wollen wir das Ionische Meer nicht mehr mit einem Dampfer, sondern mit unsere Seekajaks bezwingen.

Bild: Abfahrt mit der Fähre im winterlichen Ancona 

Zugegeben, es wäre nicht das erste Mal dass wir am winterlichen Mittelmeer scheitern – damals auf Kefalonia hat uns die See gleich mehrmals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch schließlich sind wir diesmal besser vorbereitet. Wir haben mehr Zeit für weniger Strecke, außerdem sind wir topfit und bestens ausgerüstet. Doch was sich da am Horizont zusammenbraut, sieht nicht gut aus. Aber so schnell das Unwetter kommt, so schnell kann es sich auch wieder verziehen…

Bild: Stürmische Überfahrt mit der Fähre nach Zakinthos

Nach der Ankunft auf der Insel suchen wir uns ein Quartier. „Was macht ihr hier, mitten im Winter“ ist die erste Frage der überaus freundlichen Wirtin. Und die erste Warnung folgt direkt auf unsere Antwort: „Bei dem Wetter trauen sich nicht einmal mehr die hiesigen Fischer auf das Meer!“.

Zugegeben, das mit den Fischern macht uns Angst. Doch der Blick auf die Osteseite der Insel beruhigt unsere Nerven. Es ist zwar windig und wellig, doch hier sieht nichts nach „Mission Impossible“ aus. Somit beladen wir die Boote und machen uns auf die Socken. Erst einmal Richtung Süden.

Bilder: Beladen der Boote an der Ostküste von Zakinthos

Die erste Nacht verbringen wir am Strand bei Zakinthos-City. Unter dem Dach einer verlassenen Taverne bauen wir die Zelte auf und kochen uns ein köstliches Nudelgericht. Dabei sehen wir in den dunklen Himmel – Blitze zucken am Horizont. Die Götter scheinen uns nicht gut gesonnen…

Bild: "Besser campen"! Unter dem Dach einer winterfesten Taverne

Am nächsten Morgen ist es nahezu windstill. Wir paddeln los und durchqueren die Hafeneinfahrt von Zakinthos als der Wind wieder auffrischt und wir ordentlich zu kämpfen haben. Trotz aller Bemühungen schaffen wir es heute nur knapp 17 Kilometer weit, bis zum Banana-Beach, einem der schönsten Sandstrände der Südküste. Er ist uns ein hervorragender Lagerplatz mit toller Aussicht auf den dunklen Himmel, der uns immer wieder den Blick auf ein paar funkelnde Sterne frei gibt.

Bilder: Ablegen beim besten Wetter, Pausenstimmung am Strand

Eine ordentliche Brandung rauscht in den Banana-Beach als wir am Morgen die Augen öffnen. Wir beladen die Boote und geben alles. Die schweren Kajaks laufen nur unter größten Bemühungen durch die Brandung, immer wieder geht es mit der brechenden Welle rückwärts, Richtung Strand. Mühsam erkämpfte Meter werden uns so wieder genommen. Doch nach einer halben Stunden Ausdauertraining sind wir draußen auf dem Meer, hinter der Brandungszone. Den Bug drehen wir Richtung Westküste, das Cap von Lagana wird bestimmt kein Kinderspiel!

Bilder: Action am Banana-Beach

Wie im Lift geht es hoch und runter, die Boote werden auf den gut vier Meter hohen Wellen hin und her geschleudert. Meter um Meter kämpfen wir uns der riesigen Lagune von Laganas entgegen. Hier erhoffen wir uns eine abgeschwächte Brandung und eine Windgeschützte Ecke für unser Zelt.

Bild: Bisschen gestresst vom Wetter...

Doch Pustekuchen. Zwar nehmen die Wellen deutlich ab, die Brise bleibt aber gleichbleibend stark als wir am Strand von Limni anlegen. Kaum steigen wir aus, fliegen uns schon die Paddel um die Ohren. Der Wind weht nicht beständig, sonder in starken, unberechenbaren Böen. Unser Blick schweift rüber zur Ortschaft – eine offene Taverne. In null komma nix sind wir eingekehrt und sitzen bei Bierchen und Zaziki am Tisch. Nach dem dritten Ouzo organisiert uns Nikos, der Wirt, ein Zimmer nebenan. Diese Nacht werden wir ein festes Dach über dem Kopf haben.

Bilder: Entspannte Tavernen-Katze und die berühmte Shipwrack-Bay

Kaum ist die Nacht um, nimmt der Sturm weiter zu. Die Wellen stehen mittlerweile schon auf dem Parkplatz der kleinen Ortschaft. Heute wird das nichts mit weiterpaddeln. Wir entschließen ein Taxi zu nehmen und unser Auto zu holen. Ein Taxi gibt es nicht, dafür aber einen sehr netten Pensions-Besitzer der sich darüber freut, dass wir in seinem Haus eine weitere Nacht verbringen werden und uns zu unserem Fahrzeug bringt.

Nachdem wir das Auto eingesammelt haben, fahren wir ein wenig über die Insel. Anschließend nutzen wir den angebrochenen Tag zum Brandungssurfen. Nach gut drei Stunden brennt der Boden unserer Seekajaks und wir beschließen, dass wir uns das heutige Bifteki verdient haben. Somit beenden wir den Spaß und beeheren Nikos mit unserer Anwesenheit.

Bild: Zakinthos bei Limni

Das Wetter will nicht besser werden. Die Griechen sprechen „vom härtesten Winter seit Dekaden“. Deshalb unternehmen wir in den nächsten Tagen eher Ausflüge mit dem Auto, erkunden die schroffe Westküste und die weltberümte „Shipwreck-Bay“. Wir sind schwer beeindruckt, bis zu zehn Meter Dünung und eine Brandung wie aus dem Bilderbuch festigen unseren Entschluss, die Westküste für dieses Jahr abzuhaken. Die wenigen Anlandemöglichkeiten und die zur Schau gestellte Gewalt des Wasser sind einfach zu überzeugend!

Bild: Das Meer demonstriert seine Macht an der Westküste

Deshalb sieht unser Tagesablauf in den nächsten Tagen immer sehr ähnlich aus. Wir paddeln kurze Tagestouren bei Wind und Wellen, surfen an den schönsten Stränden die hübschesten Wellen und kehren am Abend bei Nikos zum Zaziki ein.

Bild: Auf Wiedersehen, Zakinthos; Blick vom Peloponnes auf die Insel im Sonnenuntergang

Wir haben uns die Umrundung von Zakinthos zwar anders vorgestellt aber das Wetter ist nun einmal nicht planbar. Unsere Empfehlung an alle outdoor-erfahrenen Individual-Seekajakfahrer mit ausreichender Erfahrung auch bei schwere See ist dennoch: Fahrt im Winter auf die Ionischen Inseln. Ihr werdet in der Regel belohnt mit angenehmen Temperaturen und ihr werdet das Mittelmeer von einer ganz neuen Seite kennenlernen.

Christian Zicke und Nadja Matschulat